Die Entscheidung



Husky kam müde aus der Schule gestapft. Der Himmel war grau und versprach Regen. Ein leichtes Lächeln huschte über ihre Lippen. Den Regen mochte sie, er hatte so eine wunderbar beruhigende Wirkung auf sie. In Gedanken versunken die sich weniger um die Schule als mehr um ihr Leben drehten marschierte sie zur Bushaltestelle. Sie sah schon den Bus kommen der ausnahmsweise pünktlich zu sein schien, sprintete die Straße hinüber durch eine Riesenpfütze und an die Tür des Busses vor der sich einige Schüler drängten um noch einen Sitzplatz zu ergattern. Ein einsamer Tropfen fiel vom Himmel direkt auf Huskys Nasenspitze. Wieder huschte ein Lächeln über ihr müdes Gesicht. Endlich stieg auch sie in den Bus und drängte sich durch bis zu einem Platz auf dem eine Bekannte saß um sich mit ihr zu unterhalten. Solche Smalltalks lenkten sie schnell von irgendwelchen unerwünschten Gedanken ab.
„Und wie viele Stunden hattest du heute?“, fragte das Blonde Mädchen zu Husky gewand.
„Fünf“, antwortete Husky, „Wegen der blöden Freistunde kann ich erst jetzt nach Hause“
Ein leicht finsterer Blick schlich sich auf ihr Gesicht, über den sich das Blonde Mädchen mit Namen Marie köstlich amüsieren konnte. Ziel erreicht. Husky sah gerne andere Leute lachen, besonders dann wenn ihr nicht zum Lachen zumute war. Ein Lachen anderer zeigte ihr meist, dass sie doch nicht ganz unnütz auf der Welt war. Die zwei unterhielten sich noch ein wenig, bis auch Marie aussteigen musste. Husky setzte sich für den Rest der Fahrt auf einen frei gewordenen Sitzplatz und lehnte ihren Kopf an die kalte Fensterscheibe. Inzwischen hatte es angefangen zu regnen und sie beobachtete wie sich Schlieren und Linien aus Regenwasser auf dem Glas bildeten. Wieder schlichen sich unliebsame Gedanken in ihren Kopf. // „Schau da liegt ein Stück Dreck….“ Zeig das nächste Mal auf dich.. nicht auf mich „Du musst mehr für die Schule machen….“..Ich weiß…. „Ich mach mich eh nur über dich lustig…“ Ach wirklich? Und du besitzt die Frechheit mir das ins Gesicht zu sagen? … „Du Zwerg…“ kannst du dir nicht wenigstens dein blödes Grinsen verkneifen…?// Der Bus hielt an. Aus den Gedanken gerissen stand sie auf und stieg aus. Es schüttete wie aus Kannen und langsam ging sie die Straße hinüber zum Haus, schloss die Haustür auf und stapfte herein. Trotz des kurzen Weges von Bus bis Haus tropfte sie und war bis auf die Haut nass. Sie stieg nach oben. Jede Stufe stellte einen anderen beißenden Gedanken in ihrem Kopf dar. Jede Stufe wirbelte eine weitere Erinnerung auf. //… „Halt du dich da raus, dich habe ich nicht gefragt!!!“… „Nein ich habe es nicht genommen das war Husky…“ Ja ja Anna du bist die Unschuld vom Lande…“Wer solche Wörter benutzt kann sich nicht ausdrücken…“ Und du kannst es wohl, wie? ...“Kannst du das überhaupt …abgebrochener Meter?“… verdammt kannst du dir nicht einmal dein scheiß Grinsen verkneifen?// Husky war oben angekommen. Wieder schloss sie die Tür auf. Sie zog die nassen Schuhe aus, tapste in den Wohnungsflur und schloss die Tür hinter sich. Während sie die Schuhe ins Bad auf ein dreckiges Handtuch legte, ließ sie ihren Rucksack achtlos mitten im Flur von den Schultern auf den Boden sinken. Dann steuerte sie auf ihr Zimmer zu, kontrollierte ob sie alleine war und drehte die Musik auf. Gedankenversunken starrte sie aus ihrem großen Fenster. Zu sehen wie der Regen auf die Erde niederprasselte, beruhigte zwar ihren äußeres, jedoch nicht ihr zerrissenes Inneres. Zumindest noch nicht. //… „Wie schon wieder eine vier? Ich dachte du wolltest dein Quali?“ …Und? Ich hab’s geschafft oder? ... „ Und zu welcher Schule gehst du nun?“ Ach verdammt Anna hör auf mich zuzusülzen…deine Visage macht mich aggressiv…immer dieses Grinsen… Ich könnte dir dafür jedes Mal die Fresse polieren…Nein…eigentlich würde ich dich viel lieber erstechen…für jeden deiner verfluchten Sprüche ein Stich…// Hass stieg in ihr auf. Ohne es zu merken verkrallte Husky sich in die Gardine. Weitere Erinnerungen machten sich breit. Es hatte schon in der siebten Klasse angefangen. Diese ständige Getrete und Gestoße. Blöde Sprüche hatte Anna sich nie verkneifen können. //Wie ich dich hasse…. „ Nein du kannst nicht mitmachen, du magst das gar nicht…“ oh wie ich dich hasse…// Huskys Hand löste sich von der Gardine und schlug gegen die Glasscheibe, die beim Aufprall eine dumpfes Geräusch von sich gab. Noch mehr Erinnerungen überschwemmten sie. //…“Dein Hase ist ja süß“…“Ja nur ein bisschen dick^^’’’“… „Wie sagt man wie das Tierchen so das Frauchen??“// Die zweite Faust schlug gegen das Glas. // „Man bist du blöd“…Warum hast du mich ausgelacht?... // Immer mehr Wut stieg in ihr auf. Der Kopf knallte gegen das Glas. Noch mehr Erinnerungen. Husky hörte Anna in ihrem Kopf lachen. Noch einmal knallte ihr Kopf gegen das Glas. Es schmerzte doch das war ihr egal. Immer und immer wieder knallte ihr Kopf gegen die Glasscheibe bis sie mit pochendem Kopf, von der Stille in ihrem Zimmer aus den Gedanken gerissen wurde. Langsam dreht sie ihren Kopf zur Anlage und sah dass diese die CD zu Ende gespielt zu haben schien. In die Realität zurückgeholt schlurfte sie langsam zum Player und drückte erneut auf Play und danach auf Repeat. Müde und irgendwie leer ließ sie sich auf ihr Bett fallen. Ein lauter Seufzer entfuhr ihr und sie schloss die Augen. Draußen schien es stärker zu Regnen. Husky hört trotz der Musik wie die Tropen hart gegen das Fenster prasselten. Ein leises Donnergrollen. Die Musik wurde lauter. Langsam beruhigte sich Husky wieder. Trotz der Kopfschmerzen war sie nun etwas zufriedener als vorher, machte sich an die Hausaufgaben und danach ans Essen nur um sich dort wieder eine Standpauke von ihrer Mutter anzuhören, die inzwischen von der Arbeit heimgekommen war. Schlagartig senkte sich Husky Laune wieder.
„Mach doch mehr Hausaufgaben“, sagte ihre Mutter Ina
„Mama ich bin fertig…“, Huskys Stimme hörte sich zwar leise, aber doch sehr genervt an.
„Und sonstiges? Referate?“, bohrte Ina weiter.
Manchmal hatte Husky das Gefühl die Stimme Ina’s wurde von Tag zu Tag aufdringlicher, schriller und irgendwie abstoßender. Es war ihr ein Gräuel ihrer Mutter weiter zuhören zu müssen. „Du willst es doch nicht so wie Anna machen oder?“. Husky die gerade einen Löffel bepackt mit Kartoffelbrei in den Mund stecken wollte, stockte mitten in der Bewegung. Musste Ina jetzt diesen Kommentar bringen? War das wirklich so nötig? Wieder kamen unliebsame Gedanken an die verhasste Person in Huskys Kopf geschlichen. Seit neustem schien Anna sie nachmachen zu wollen. Von Blonden Haaren auf tiefschwarze Haare gewechselt. Genau wie sie selbst. //Was bildet die sich eigentlich ein …blödes Weib!!// Ina sprach weiter: „Also streng dich an, mach mehr Hausaufgaben und häng nicht so viel am PC rum…“ //Ja …blasülz…schon klar Mama….// Huskys Gedanken hätten sehr abfällig geklungen, hätte sie laut gedacht. Den letzten in der Bewegung gestoppten Löffel in den Mund schiebend, aß Husky auf und machte sich wieder in ihr Zimmer.
Dort angekommen starrte sie wieder gedankenverloren aus dem Fenster auf das verregnete Bild das sich ihr bot. Der aufgewühlte Schlamm auf dem Feld das sie sich besah, erinnerte sie an ihr eigenes selbst. Zerwühlt, dreckig und schwarz.

Copyright © by "Husky"

 

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